Krankengeld wird gezahlt, wenn die Entgeltfortzahlung endet – die Antwort lautet: ab Woche 7 der Arbeitsunfähigkeit, sofern alle Voraussetzungen erfüllt und die Krankschreibung lückenlos vorliegt. Das bedeutet konkret: Zuerst zahlt der Arbeitgeber bis zu sechs Wochen weiter, danach springt die Krankenkasse mit Krankengeld ein.
Was passiert in den ersten 6 Wochen – und wann beginnt Krankengeld?
Die Antwort lautet: In den ersten sechs Wochen einer Krankheit zahlt der Arbeitgeber dein normales Gehalt (Entgeltfortzahlung). Ab dem Tag nach Ablauf dieser sechs Wochen (also ab Woche 7) entsteht der Zahlungszeitraum für Krankengeld, vorausgesetzt, deine Arbeitsunfähigkeit ist weiterhin ärztlich festgestellt und ohne Lücke bescheinigt. Rechtsgrundlagen dafür sind das Entgeltfortzahlungsgesetz für die 6 Wochen Lohnfortzahlung und das Sozialgesetzbuch (SGB V) für Beginn und Dauer des Krankengelds. Wer die Kette der Krankschreibungen unterbricht, riskiert eine Leistungslücke – deshalb immer rechtzeitig verlängern lassen.
Kurzübersicht: Kernfakten auf einen Blick
- Start Krankengeld: ab Woche 7 derselben Erkrankung (nach 6 Wochen Entgeltfortzahlung).
- Höhe: 70 % vom Brutto, max. 90 % vom Netto (gesetzliche Deckelung; Tageshöchstbetrag).
- Dauer: bis zu 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren je Erkrankung (Blockfrist), Zeiten der Entgeltfortzahlung werden angerechnet.
- Wichtig: lückenlose ärztliche Feststellung – spätestens am nächsten Werktag nach Ablauf der letzten AU (Samstag zählt nicht als Werktag).
- Reset der 6-Wochen-Entgeltfortzahlung: nach 6 Monaten ohne AU wegen derselben Krankheit oder nach 12 Monaten seit Beginn der ersten AU.
„Zählt wieder von vorn?“ – So werden die 6 Wochen berechnet
Die sechs Wochen Entgeltfortzahlung zählen pro Erkrankungsfall. Bist du wegen exakt derselben Krankheit erneut arbeitsunfähig, werden frühere Zeiten zusammengerechnet – es sei denn, du warst mindestens 6 Monate wegen derselben Krankheit nicht arbeitsunfähig oder es sind 12 Monate seit Beginn der ersten AU vergangen. Dann beginnt die 6-Wochen-Frist neu. Diese Logik ist wichtig, weil sie bestimmt, wann die Kasse mit Krankengeld dran ist und wie lange der Arbeitgeber noch zahlt.
„Wird Krankengeld nach 6 Wochen automatisch gezahlt?“
Die klare Antwort: Nein, nicht automatisch im Sinne von „ohne dein Zutun“. Ärztinnen und Ärzte übermitteln deine AU zwar elektronisch an die Kasse (eAU), aber du musst durchgehend arbeitsunfähig geschrieben sein und rechtzeitig verlängern. Wichtig ist die lückenlose ärztliche Feststellung: Sie muss spätestens am nächsten Werktag nach dem Ende der letzten AU erfolgen. Wer die Verlängerung verpasst, kann eine Anspruchslücke beim Krankengeld bekommen.
Wie hoch ist Krankengeld – und was wird abgezogen?
Rechtlich gilt: 70 % vom Brutto, aber höchstens 90 % vom Netto – berechnet als kalendertäglicher Betrag aus deinem regelmäßigen Entgelt. Außerdem gibt es einen Tages-Höchstbetrag, der sich aus der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) ergibt, und Sozialversicherungsbeiträge (Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung) werden vom Krankengeld einbehalten. Dadurch liegt das ausgezahlte Krankengeld spürbar unter 90 % des Nettoentgelts.
Wie lange gibt es Krankengeld insgesamt?
Das bedeutet konkret: Pro Erkrankung zahlt die Kasse bis zu 78 Wochen innerhalb einer Blockfrist von 3 Jahren. Beginn ist der erste Tag der AU wegen dieser Krankheit. Zeiten, in denen der Arbeitgeber Lohn fortzahlt (die ersten 6 Wochen), werden angerechnet. Kommt während derselben AU eine weitere Krankheit hinzu, verlängert das die Dauer nicht. Nach Ende der Blockfrist kann bei erneuter Erkrankung ein neuer Anspruch entstehen – abhängig von den Voraussetzungen.
Ab wann geht man ins Krankengeld? (Praxisnah erklärt)
Die Antwort lautet: Tag 1–42 (6 Wochen) zahlt der Arbeitgeber, ab Tag 43 prüft und zahlt deine Krankenkasse Krankengeld, wenn die AU fortbesteht und lückenlos vorliegt. Merke dir: Die Kasse zahlt nicht rückwirkend für Lücken, die durch verspätete AU-Feststellung entstehen. Deshalb gehört ein Kalendereintrag am letzten bescheinigten Tag dazu – rechtzeitig Folgetermin sichern.
So rechnest du dein Krankengeld wirklich aus – Schritt für Schritt (mit Beispiel)
Hier kommt der Teil, der in Foren am meisten diskutiert wird: Wie viel kommt am Ende raus? Wir gehen den Weg durch, damit du dein Krankengeld selbst grob schätzen kannst – ohne Taschenrechner-Orgie.
- Regelentgelt bestimmen. Grundlage ist dein regelmäßiges Arbeitsentgelt (inkl. typischer Zulagen, ggf. anteilige Einmalzahlungen nach Gesetzesregel). Das Gesetz sagt: 70 % vom Brutto, aber gedeckelt auf 90 % vom Netto. Zudem wird nur Einkommen bis zur BBG berücksichtigt; daraus leitet sich der Tageshöchstbetrag ab.
- 90 %-Netto-Kappung prüfen. Lege Netto/Monat ÷ 30 × 0,9 gegen Brutto/Monat ÷ 30 × 0,7. Der kleinere Wert ist maßgeblich (Brutto-Krankengeld, kalendertäglich).
- Abzüge berücksichtigen. Vom Brutto-Krankengeld werden Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung einbehalten. Erst danach hast du dein Auszahlungsbetrag (Netto-Krankengeld).
Beispiel mit 2.000 € Netto:
Angenommen, dein monatliches Netto liegt bei 2.000 €. Dann liegt die 90 %-Grenze bei 1.800 € im Monat (≈ 60 € pro Kalendertag). Wenn dein monatliches Brutto (vereinfacht) 3.000 € beträgt, sind 70 % Brutto 2.100 € (≈ 70 €/Tag). Maßgeblich ist nun der kleinere Wert – also 1.800 € pro Monat (≈ 60 € pro Tag Brutto-Krankengeld). Davon gehen Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung ab. Je nach Familiensituation (Pflege-Zuschlag ohne/mit Kindern) und Jahr liegst du typisch bei grob 10–13 % Abzug. Ergebnis: Netto-Krankengeld in der Größenordnung von rund 1.560–1.620 €/Monat im Beispiel.
Wichtig: Bei hohem Einkommen greift der Höchstbetrag pro Tag. Für 2025 liegt er bei rund 128 € pro Tag; alles oberhalb der BBG bleibt unberücksichtigt. Wer sehr gut verdient, fällt deshalb besonders unter die Deckelung.
Typische Praxisfragen – mit klaren Antworten
Wie lange darf man krank sein, bevor Krankengeld gezahlt wird?
Sobald die sechs Wochen Entgeltfortzahlung verbraucht sind, setzt Krankengeld ein – ohne Wartezeit, sofern die AU lückenlos ist.
Muss ich Krankengeld beantragen?
Es braucht keinen klassischen Antrag, aber du musst die Voraussetzungen sichern: Arzt stellt die AU fest (rechtzeitig verlängern!), die eAU geht an deine Kasse, und du reagierst auf Nachfragen/Formulare der Kasse.
Wie lange kann ein Arzt am Stück krankschreiben?
Dafür gibt es keine starre Obergrenze. In der Praxis bescheinigen Ärztinnen und Ärzte oft 1–2 Wochen, bei längerer Erkrankung jeweils Folgebescheinigung. Wichtig ist die medizinische Notwendigkeit.
Wie lange krankschreiben wegen Erschöpfung / Psyche?
So lange, wie es medizinisch erforderlich ist. Bei psychischen Diagnosen (z. B. Depression, Anpassungsstörung) sichern Haus-/Fachärzte die AU und veranlassen Therapie/Überweisung. Parallel kann die Kasse Maßnahmen wie Reha prüfen.
Welche Symptome „kann der Arzt nicht kontrollieren“?
Manche Beschwerden (etwa Schmerz, Schwindel, Erschöpfung) sind subjektiv, werden aber ärztlich bewertet – Anamnese, Verlauf, Befunde und ggf. Tests.
Wie schnell zahlt die Kasse aus?
Üblich ist die monatliche oder vierwöchentliche Zahlung. Verzögerungen entstehen vor allem, wenn Unterlagen fehlen (z. B. Lücke in der AU oder fehlende Angaben des Arbeitgebers).
78 Wochen Krankengeld sind wie viele Monate?
Das sind 18 Monate (genauer: 78 Wochen). Sie gelten pro Erkrankung innerhalb der 3-Jahres-Blockfrist.
Was passiert nach 78 Wochen?
Je nach Gesundheitszustand kommen Reha, Wiedereingliederung, Übergang ins ALG I („Nahtlosigkeit“) oder Erwerbsminderungsrente in Betracht. Viele Kassen beraten dazu aktiv.
Kündigung während Krankheit – bin ich unkündbar?
Die Krankheit allein schützt nicht automatisch vor Kündigung. Nach 6 Monaten Betriebszugehörigkeit und in Betrieben mit >10 Mitarbeitern greift zwar das Kündigungsschutzgesetz, dennoch sind krankheitsbedingte Kündigungen möglich – unter strengen Voraussetzungen.
„6 Wochen krank – 1 Tag arbeiten – wieder krank“: zählt das neu?
Kommt auf die Diagnose an. Handelt es sich um dieselbe Krankheit, werden die Zeiten zusammengerechnet – ein einzelner Arbeitstag „setzt“ die 6 Wochen nicht automatisch zurück. Nur wenn du entweder mindestens 6 Monate nicht AU wegen derselben Krankheit warst oder 12 Monate seit Beginn der ersten AU vergangen sind, beginnt die 6-Wochen-Frist von vorn. Bei neuer Krankheit läuft eine neue 6-Wochen-Frist.
Die häufigsten Fragen zum Krankengeld
Wie berechnet man die 6 Wochen krank?
Gezählt wird ab Beginn der ersten AU wegen derselben Krankheit. Fällst du später erneut wegen derselben Diagnose aus, werden Zeiten addiert – außer es liegen die Reset-Voraussetzungen vor (6 Monate ohne AU wegen derselben Krankheit oder 12 Monate seit Beginn der ersten AU). Bei neuer Krankheit laufen neue 6 Wochen.
Wie hoch ist das Krankengeld nach 6 Wochen?
Nach Ende der Lohnfortzahlung zahlt die Kasse 70 % vom Brutto, maximal 90 % vom Netto, begrenzt durch den Tageshöchstbetrag. Von diesem Brutto-Krankengeld gehen noch Sozialversicherungsbeiträge ab – deshalb liegt das Netto-Krankengeld niedriger als 90 % deines Nettoeinkommens.
Wie lange darf man krank sein, bevor man Krankengeld erhält?
Sobald die 6 Wochen Entgeltfortzahlung (je Erkrankung) verbraucht sind, setzt Krankengeld ein – theoretisch ab Tag 43 derselben AU. Voraussetzung bleibt die lückenlose ärztliche Feststellung der Arbeitsunfähigkeit.
Wie lange muss man zwischen zwei Krankschreibungen arbeiten, damit neu gezählt wird?
Damit bei derselben Erkrankung die 6-Wochen-Frist neu beginnt, brauchst du entweder 6 Monate ohne AU wegen dieser Krankheit oder es müssen 12 Monate seit Beginn der ersten AU vergangen sein. Ein einzelner Arbeitstag dazwischen reicht nicht.
Wie lange kann ein Hausarzt auf Psyche krankschreiben?
Es gibt keine feste Obergrenze – die Dauer richtet sich nach der medizinischen Erforderlichkeit. In längeren Verläufen kommen oft Therapie, Reha und Wiedereingliederung dazu. Entscheidend ist eine kontinuierliche ärztliche Begleitung.
Wie lange kann man krankgeschrieben sein, ohne gekündigt zu werden?
Eine Kündigung während Krankheit ist nicht automatisch ausgeschlossen, sie unterliegt aber dem Kündigungsschutzrecht. Eine krankheitsbedingte Kündigung ist nur unter strengen Bedingungen zulässig.
Was darf man nicht machen, wenn man krankgeschrieben ist?
Es gibt kein generelles „Hausarrest“. Maßstab ist, was deiner Genesung dient bzw. sie nicht behindert. Spaziergänge sind oft okay, Heavy-Workout oder Party-Nacht eher nicht. Reisen sind nur mit ärztlichem Okay sinnvoll.
Wird Krankengeld nach 6 Wochen automatisch gezahlt?
Nur, wenn alle Voraussetzungen vorliegen: lückenlose AU, keine offenen Rückfragen, ggf. Formulare der Kasse ausgefüllt. Die Zahlung erfolgt nach Prüfung.
Wie lange dauert es, bis die Krankenkasse Krankengeld überweist?
Das variiert je Kasse. Häufig erfolgt die Überweisung im monatlichen Rhythmus – teils schneller, wenn alle Unterlagen digital vorliegen.
78 Wochen Krankengeld – was bedeutet das konkret?
Die 78 Wochen umfassen Entgeltfortzahlung + Krankengeld innerhalb der 3-Jahres-Blockfrist. Das heißt: Die ersten 6 Wochen Lohnfortzahlung zählen mit auf die 78 Wochen.
Zusammenfassung
Krankengeld beginnt ab Woche 7, wenn die 6 Wochen Entgeltfortzahlung vorbei sind und deine AU lückenlos fortbesteht. Die Höhe beträgt 70 % vom Brutto, maximal 90 % vom Netto, begrenzt durch den Tageshöchstbetrag. Die Dauer ist pro Erkrankung auf 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren limitiert (Blockfrist). Für die Entgeltfortzahlung zählt immer die einzelne Erkrankung; ein Reset gibt’s erst nach 6 Monaten ohne AU wegen derselben Krankheit oder 12 Monaten seit Beginn der ersten AU. Wer Termine im Blick behält, Verlängerungen rechtzeitig holt und ggf. Reha/Wiedereingliederung einplant, kommt sicher durch den Prozess.
Fazit
Krankengeld ist kein Mysterium, sondern ein klar geregelter Ablauf: 6 Wochen zahlt der Arbeitgeber, danach – bei lückenloser AU – die Krankenkasse. Wer die Reset-Regeln der Entgeltfortzahlung kennt, die Blockfrist von 78 Wochen versteht und die Höchstgrenzen im Blick hat, kann finanziell solide planen. Praktisch bedeutet das: Termine rechtzeitig sichern, AU ohne Lücke, Kassen-Rechner nutzen, Reha/Wiedereingliederung früh besprechen und Unterlagen sauber dokumentieren. So vermeidest du Leistungslücken, beschleunigst Auszahlungen und hältst den Kopf frei für das Wichtigste: gesund werden.
Quellen
Gesetzliche Grundlage Krankengeld (§ 44 SGB V – Anspruch, Beginn und Dauer):
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__44.html
Bundesministerium für Arbeit und Soziales – Entgeltfortzahlung und Krankengeld:
https://www.bmas.de/DE/Arbeit/Arbeitsrecht/Entgeltfortzahlung/entgeltfortzahlung.html
Deutsche Rentenversicherung – Informationen zur Blockfrist (78 Wochen):
https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Themen/Krankheit-und-Reha/Krankengeld/krankengeld.html
AOK Krankenkasse – Krankengeld Rechner & Höhe:
https://www.aok.de/pk/leistungen/krankengeld/
Techniker Krankenkasse – Krankengeld Anspruch, Höhe und Dauer:
https://www.tk.de/techniker/leistungen-und-mitgliedschaft/krankengeld/