Viele berichten, dass sie sich nach 30 Tagen deutlich gesünder und wacher fühlen. Die Antwort lautet: Der Schlaf wird tiefer, die Haut wirkt frischer, die Leberwerte verbessern sich, und das Gehirn beginnt sich von der Dauerbelastung zu erholen. Gleichzeitig kann die Psyche noch schwanken: Depressionen, Gereiztheit oder Langeweile sind nicht ungewöhnlich.
Dennoch ist das Erreichte ein großer Erfolg. Manche sagen, dass der erste Monat wie ein Fundament ist – noch wackelig, aber stabil genug, um weiter aufzubauen.
Was beruhigt bei Entzug?
Hilfreich sind einfache Dinge wie warme Bäder, Spaziergänge, Meditation, Atemübungen oder pflanzliche Tees. Auch Zucker kann kurzfristig beruhigen, da der Körper die plötzliche Umstellung des Blutzuckerspiegels nach dem Alkoholverzicht kompensieren will. Aber Vorsicht: Wer zu viel Süßes isst, läuft Gefahr, das eine Laster durch das andere zu ersetzen.
Wichtige Tipps für die ersten 30 Tage
- Viel trinken (Wasser, Tee, Mineralwasser)
- Regelmäßige Mahlzeiten, ausgewogen und vitaminreich
- Arzt oder Selbsthilfegruppe einbeziehen
- Kleine Routinen im Alltag ändern (keine Kneipenbesuche, kein Alkohol im Haus)
- Belohnungen einbauen: Nach einer Woche ein neues Buch, nach 30 Tagen ein schönes Essen
Wie gefährlich ist ein kalter Entzug?
Ein kalter Alkoholentzug zu Hause kann riskant sein. Vor allem bei Menschen mit jahrelangem, hohem Konsum drohen Krampfanfälle oder Delirium tremens. In solchen Fällen ist ärztliche Begleitung dringend zu empfehlen. Viele Experten raten dazu, einen Entzug nie ohne medizinische Absicherung zu beginnen.
Alkoholentzug – Erfahrungen mit Müdigkeit
Ist man bei Alkoholentzug müde? Die Antwort lautet: Ja, und zwar sehr häufig. Der Körper fährt nach dem dauerhaften Alkoholpegel plötzlich runter. Das Nervensystem muss sich neu sortieren, und das kostet Energie. Manche schlafen extrem viel, andere wiederum haben Probleme einzuschlafen. Diese Phase geht aber bei den meisten nach zwei bis drei Wochen vorbei.
Ein zusätzlicher Blick auf die Psyche
Oft wird unterschätzt, dass die größte Hürde im Entzug nicht nur der Körper, sondern der Kopf ist. Gedanken wie „nur ein Glas“ oder „heute hab ich es mir verdient“ sind tückisch. Viele berichten, dass Langeweile, Einsamkeit oder Stress die größten Auslöser für Rückfälle sind. Deshalb ist es wichtig, neue Gewohnheiten aufzubauen: Sport, Hobbys, Treffen mit Freunden, die nicht trinken.
Mein Entzug-Tagebuch
Tag 1: Der erste Tag ohne Alkohol
Heute ist der erste Tag meines Entzugs, und ich merke sofort, wie sehr mein Körper nach dem gewohnten Stoff verlangt. Schon am Morgen hatte ich das Gefühl, dass mir etwas fehlt, als ob ein Loch in mir entstanden wäre. Meine Hände haben gezittert, der Schweiß lief mir ohne Grund den Rücken herunter, und mein Herz pochte schneller als sonst. Ich konnte kaum still sitzen, die Unruhe machte mich wahnsinnig. Dazu kamen Kopfschmerzen, die ich sonst nur nach einer durchzechten Nacht kannte. Schlafen war fast unmöglich, ich lag stundenlang wach und habe mich im Bett hin- und hergewälzt. Immer wieder kam der Gedanke: „Ein Glas würde jetzt helfen.“ Doch ich habe mich bewusst dagegen entschieden. Stattdessen habe ich Wasser getrunken, versucht tief zu atmen und mir gesagt: Nur dieser Tag zählt. Es fühlt sich an, als würde mein Körper rebellieren, aber irgendwo tief drin spüre ich eine kleine Hoffnung, dass es besser werden könnte.
Tag 2: Die Nacht ohne Ruhe
Die zweite Nacht war schlimmer als die erste. Ich bin ständig hochgeschreckt, mein Herz raste, und ich hatte das Gefühl, überhaupt keinen Schlaf zu finden. Am Morgen war ich wie benommen, meine Hände zitterten so stark, dass ich kaum meine Tasse halten konnte. Ich habe stark geschwitzt, obwohl es gar nicht heiß war. Die Kopfschmerzen waren kaum auszuhalten, und ich fühlte mich wie krank. Dazu kam diese innere Unruhe, die mir keine Sekunde Frieden ließ. Ich war gereizt, jede Kleinigkeit brachte mich auf die Palme. Der Gedanke an Alkohol war allgegenwärtig, fast wie eine Stimme im Kopf, die mich ständig aufforderte, aufzugeben. Ich habe versucht, mich abzulenken, bin spazieren gegangen, aber jeder Schritt war schwer. Trotzdem habe ich den Tag durchgestanden, auch wenn er einer der härtesten meines Lebens war.
Tag 3: Am Limit
Heute hatte ich das Gefühl, am absoluten Limit angekommen zu sein. Der dritte Tag ist wirklich die Hölle. Mein ganzer Körper war angespannt, ich habe geschwitzt, gezittert und konnte kaum klar denken. Die Kopfschmerzen waren so stark, dass ich kaum etwas machen konnte. Ich habe versucht, ein wenig zu essen, aber mein Magen hat alles abgelehnt. Der Schlaf war noch schlechter als zuvor, Albträume haben mich immer wieder hochschrecken lassen. Ich habe das Gefühl, als ob mein Gehirn sich im Kreis dreht, immer nur mit einem Gedanken: „Trink endlich etwas, dann hört das auf.“ Gleichzeitig weiß ich, dass genau das der Fehler wäre. Heute musste ich mehrfach mit mir selbst kämpfen, nicht einfach zur Flasche zu greifen. Es ist schwer zu beschreiben, aber irgendwo habe ich das Gefühl, dass der Körper schon anfängt, sich umzustellen. Ich halte daran fest, auch wenn es gerade kaum auszuhalten ist.
Tag 4: Ein kleiner Hoffnungsschimmer
Am 4. Tag habe ich zum ersten Mal gespürt, dass es vielleicht doch bergauf gehen könnte. Das Zittern war zwar noch da, aber deutlich schwächer als zuvor. Ich konnte heute sogar etwas essen, und es ist mir nicht gleich wieder schlecht geworden. Schlafen bleibt ein Problem – ich wache oft auf und fühle mich wie gerädert. Aber trotzdem war heute weniger Druck in mir, als ob die schlimmste Phase langsam abklingt. Ich habe gemerkt, dass ich etwas ruhiger werde, auch wenn die Gedanken an Alkohol noch stark sind. Besonders schwer war es am Abend, wenn ich früher immer getrunken habe. Da hat mir die Routine gefehlt, und ich war versucht, wieder anzufangen. Stattdessen habe ich einen Tee gemacht und versucht, mich mit einem Buch abzulenken. Es war kein perfekter Tag, aber im Vergleich zu den ersten drei Tagen fühlt es sich fast wie ein kleiner Sieg an.
Tag 5: Erschöpft, aber durchgehalten
Am fünften Tag war ich vor allem unendlich müde. Es war, als hätte mein Körper die ganze Energie verloren, die er noch hatte. Ich konnte mich kaum konzentrieren, alles fühlte sich wie in Zeitlupe an. Gleichzeitig war der Suchtdruck noch da, aber nicht mehr so überwältigend wie an den ersten Tagen. Ich habe viel Wasser getrunken und versucht, kleine Spaziergänge zu machen, auch wenn es schwer war. Auffällig war, dass meine Haut heute ein bisschen frischer aussah, fast so, als ob sie anfängt, sich zu erholen. Das hat mir Mut gemacht. Ich habe aber gemerkt, dass meine Stimmung extrem schwankt – von Hoffnung bis zu tiefer Traurigkeit in wenigen Minuten. Abends habe ich mich gefragt, ob das alles wirklich klappt. Aber ich habe es geschafft, wieder ohne Alkohol ins Bett zu gehen, auch wenn der Schlaf weiterhin unruhig war.
Tag 6: Die Gedanken kreisen
An Tag 6 habe ich mich körperlich stabiler gefühlt, aber die Gedanken an Alkohol waren extrem stark. Es war, als würde mein Kopf mir einreden wollen, dass ich ja jetzt „genug durchgehalten“ hätte. Ich musste mich ständig daran erinnern, dass ein Rückfall alles zerstören würde. Das Zittern war fast weg, und auch die Kopfschmerzen sind leichter geworden. Trotzdem fühlte ich mich innerlich angespannt, als ob mein Nervensystem noch immer auf Alarm läuft. Ich habe versucht, meinen Tag bewusst zu strukturieren: Aufstehen, duschen, spazieren gehen, kleine Aufgaben im Haushalt erledigen. Diese Routinen haben geholfen, nicht dauernd über Alkohol nachzudenken. Trotzdem war es ein harter Kampf, und am Abend habe ich mich sehr einsam gefühlt. Aber der Gedanke, schon fast eine Woche geschafft zu haben, hat mich durch den Tag getragen.
Tag 7: Erste Erleichterung
Heute habe ich das erste Mal gespürt, dass es leichter wird. Der Schlaf war zwar noch nicht tief, aber ich habe ein paar Stunden am Stück durchschlafen können. Mein Körper fühlt sich stabiler an, und ich habe weniger Schweißausbrüche. Das Zittern ist fast verschwunden, und ich konnte sogar ein normales Frühstück genießen. Der Kopf ist klarer, auch wenn die Stimmung weiterhin Achterbahn fährt. Es gibt Momente, in denen ich richtig stolz bin, und andere, in denen ich mich leer und traurig fühle. Besonders schwer ist es, wenn ich alte Gewohnheiten bemerke – die Uhrzeit, zu der ich früher zur Flasche griff. Doch heute habe ich mehr innere Ruhe gespürt, und das ist ein wichtiger Fortschritt. Zum ersten Mal seit Tagen habe ich gedacht: Vielleicht kann ich das wirklich schaffen.
Tag 8: Ein neuer Rhythmus
Nach einer Woche ohne Alkohol fühle ich mich heute anders – nicht gesund und unbeschwert, aber stabiler. Mein Körper wirkt ausgeglichener, und ich habe zum ersten Mal wieder Lust verspürt, etwas zu unternehmen. Ich bin spazieren gegangen und habe gemerkt, dass ich mehr Energie habe. Die Gedanken an Alkohol tauchen zwar immer noch auf, aber sie bestimmen nicht mehr jede Sekunde. Stattdessen habe ich mich heute mehr auf andere Dinge konzentrieren können – Musik hören, lesen, kleine Gespräche mit Freunden. Gleichzeitig bleibt eine unterschwellige Nervosität, fast wie ein inneres Zittern. Aber die Erkenntnis, eine Woche geschafft zu haben, gibt mir Kraft. Heute fühle ich mich, als ob ein neuer Alltag langsam beginnt, auch wenn der Weg noch lang ist.
Tag 9: Der Tag nach der ersten Woche
Heute war es ein komisches Gefühl, aufzuwachen und zu wissen: Ich habe eine ganze Woche geschafft. Der Stolz war da, aber gleichzeitig auch eine Leere – als hätte ich etwas verloren, das mich jahrelang begleitet hat. Mein Körper fühlt sich leichter an, die Kopfschmerzen sind fast weg, und das Zittern ist verschwunden. Trotzdem war die Müdigkeit noch spürbar, und ich habe immer wieder Pausen gebraucht. Der Suchtdruck ist nicht mehr so brachial wie an den ersten Tagen, aber er schleicht sich unterschwellig in meine Gedanken. Ich habe oft daran gedacht, wie schön es früher war, abends ein Bier in der Hand zu haben. Um das zu verdrängen, habe ich mich bewusst abgelenkt: Spaziergänge, Musik, kleine Aufgaben im Haushalt. Abends hatte ich kurz das Gefühl, dass ich gleich wieder einknicke, aber ich habe mich an die letzten acht Tage erinnert. Dieser Rückblick hat mir geholfen, den Tag nüchtern zu beenden.
Tag 10: Stimmungsschwankungen ohne Ende
Der zehnte Tag war von extremen Stimmungsschwankungen geprägt. Am Vormittag war ich voller Energie und dachte, jetzt wird alles besser. Am Nachmittag fühlte ich mich plötzlich tieftraurig, gereizt und einsam. Es ist fast so, als ob meine Gefühle keine Mitte mehr kennen. Körperlich geht es mir stabiler – ich habe besser geschlafen und kann wieder mehr essen. Doch mein Kopf arbeitet ununterbrochen, ich kreise ständig um die Frage, wie es ohne Alkohol weitergeht. Ich habe mit einem Freund telefoniert, und das hat mir geholfen, nicht ganz in meinen Gedanken zu versinken. Gleichzeitig fällt mir auf, dass ich viel mehr Zeit habe, die früher vom Trinken gefüllt war. Diese Leere ist schwer auszuhalten. Trotzdem habe ich heute das Gefühl gehabt, dass ein Stück Normalität zurückkehrt.
Tag 11: Der innere Kampf
Heute war ein Tag voller Versuchungen. Ich bin an einem Supermarkt vorbeigegangen, und die Bierkästen haben mich fast magisch angezogen. Es war, als ob mein Kopf sofort Szenen abspulte: das Knistern beim Öffnen der Flasche, der erste Schluck, das Gefühl der Entspannung. Ich musste mich aktiv wegdrehen und schnell weitergehen. Körperlich fühle ich mich stärker, fast so, als ob die Energie langsam zurückkommt. Aber der innere Kampf ist hart, und ich merke, dass es jetzt vor allem ein psychischer Entzug ist. Ich habe mir abends eine Liste gemacht mit allen Gründen, warum ich aufhören wollte – das hat mir Kraft gegeben. Der Schlaf ist nach wie vor nicht perfekt, aber deutlich besser als noch vor einer Woche. Am Ende des Tages habe ich mich erleichtert gefühlt, standhaft geblieben zu sein.
Tag 12: Mehr Klarheit im Kopf
Am zwölften Tag habe ich zum ersten Mal gespürt, dass mein Kopf klarer wird. Ich konnte mich besser konzentrieren und Dinge erledigen, die ich lange vor mir hergeschoben habe. Der Nebel im Gehirn, den ich in den letzten Tagen hatte, lichtet sich langsam. Körperlich fühle ich mich erstaunlich stabil, fast so, als ob mein Körper dankbar für die Pause ist. Gleichzeitig gibt es Momente, in denen ich mich leer fühle und mich frage, was ich mit meiner Zeit anfangen soll. Früher war das einfach: trinken, entspannen, alles andere ausblenden. Jetzt muss ich neue Wege finden, um mich zu beschäftigen. Es ist ungewohnt, aber auch spannend. Abends habe ich einen Film geschaut – zum ersten Mal nüchtern seit langer Zeit. Es hat sich anders angefühlt, aber auch befreiend.
Tag 13: Die Müdigkeit bleibt
Heute war ein Tag voller Müdigkeit. Obwohl ich genug geschlafen habe, fühlte ich mich ausgelaugt und kraftlos. Vielleicht ist es die Nachwirkung des Entzugs oder die Anpassung des Körpers. Ich hatte wenig Antrieb, den Tag aktiv zu gestalten, und habe viel Zeit auf der Couch verbracht. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass mein Appetit steigt. Ich esse mehr Süßes als sonst, fast so, als ob mein Körper Ersatz für den Alkohol sucht. Das macht mir ein bisschen Sorgen, aber im Moment ist es mir wichtiger, nüchtern zu bleiben. Der Gedanke an Alkohol war heute weniger präsent, aber dafür hat mich die Langeweile fast wahnsinnig gemacht. Trotzdem habe ich es geschafft, nicht in alte Muster zu verfallen.
Tag 14: Zwei Wochen geschafft
Heut habe ich die Marke von zwei Wochen erreicht. Es fühlt sich wie ein echter Meilenstein an, auch wenn der Weg noch lang ist. Körperlich bin ich viel stabiler, mein Zittern ist verschwunden, und auch die Kopfschmerzen sind weg. Der Schlaf ist noch nicht perfekt, aber besser. Psychisch schwanke ich weiterhin zwischen Stolz und Sehnsucht nach dem alten „Kick“. Ich habe gemerkt, dass die Abende nach wie vor die schwierigsten Momente sind. Früher habe ich mich auf das erste Glas gefreut – jetzt ist da nur Leere. Aber genau diese Leere versuche ich zu füllen, indem ich neue Gewohnheiten aufbaue. Heute habe ich gekocht, Musik gehört und einfach den Moment ausgehalten. Zwei Wochen nüchtern – das hätte ich vor Kurzem noch nicht geglaubt.
Tag 15: Die Gefahr im Alltag
Am fünfzehnten Tag spüre ich, dass der Alltag gefährlich sein kann. Ich fühle mich körperlich fit, fast so, als wäre alles wieder normal. Genau das macht es tückisch: Der Gedanke „jetzt könnte ich doch mal wieder ein Glas trinken“ kommt automatisch. Es wäre so leicht, einfach wieder einzusteigen. Ich merke, dass mein Kopf mir Streiche spielt und versucht, die Sucht zu verharmlosen. Um nicht schwach zu werden, habe ich mich bewusst beschäftigt: Sport, ein langer Spaziergang, und abends ein Telefonat mit einem Freund. Trotzdem war es ein ständiger Kampf gegen die innere Stimme. Ich weiß, dass ich wachsam bleiben muss, auch wenn ich mich körperlich gesund fühle. Heute habe ich gelernt: Die psychische Abhängigkeit ist viel hartnäckiger als die körperliche.
Tag 16: Ein Hauch von Normalität
Der sechzehnte Tag hat sich fast normal angefühlt. Ich bin aufgestanden, habe gefrühstückt, meinen Tag geplant – ganz ohne den Gedanken an Alkohol. Natürlich kamen zwischendurch kleine Momente, in denen ich mir ein Glas vorgestellt habe, aber sie waren schwächer und kürzer. Ich spüre mehr Energie, mein Kopf fühlt sich klarer an, und ich habe wieder Lust, Dinge zu unternehmen. Der Schlaf ist endlich etwas erholsamer geworden. Heute habe ich gemerkt, dass ich wieder mehr lachen kann und meine Stimmung nicht mehr nur zwischen Extremen schwankt. Es ist ein leiser, aber wichtiger Fortschritt. Gleichzeitig weiß ich, dass die Reise noch lange nicht vorbei ist. Aber heute hatte ich das Gefühl, dass ein Stück Normalität zurückkommt – und das gibt mir Mut.
Tag 17: Die Sehnsucht nach Routine
Tag 17: Heute habe ich gemerkt, wie sehr mir meine alte Routine fehlt. Es war ein normaler Arbeitstag, aber am Abend kam diese gewohnte innere Unruhe: Früher hätte ich mir jetzt ein Bier aufgemacht. Stattdessen habe ich da gesessen und überlegt, was ich mit mir anfangen soll. Das zeigt mir, dass Alkohol jahrelang wie ein Taktgeber in meinem Leben war. Körperlich geht es mir weiterhin stabil, die Kopfschmerzen sind weg, und ich habe sogar etwas besser geschlafen. Trotzdem bleibt die innere Leere bestehen. Ich habe versucht, den Abend bewusst zu strukturieren – ein Spaziergang, ein Telefonat mit einem Freund, später ein Film. Das hat geholfen, aber die Sehnsucht nach der alten Routine bleibt stark. Gleichzeitig weiß ich: Genau diese Veränderung ist nötig, um langfristig durchzuhalten. Es ist ein komisches Gefühl zwischen Verlust und Neubeginn.
Tag 18: Ein Auf und Ab
Heute hatte ich das Gefühl, den ganzen Tag über auf einer emotionalen Achterbahn zu sitzen. Am Morgen war ich voller Energie, habe Sport gemacht und war richtig stolz. Doch am Nachmittag kam plötzlich eine Welle von Traurigkeit über mich. Ohne Vorwarnung. Ich habe mich einsam gefühlt, fast so, als würde mir ein wichtiger Teil meines Lebens fehlen. Ich weiß, dass das die Psyche ist, die nach alten Mustern sucht. Körperlich geht es mir gut – meine Haut sieht besser aus, und ich habe weniger Augenringe. Aber die Stimmungsschwankungen machen mir zu schaffen. Ich habe den Tag über viel Wasser getrunken und versucht, regelmäßig zu essen. Am Abend habe ich mir bewusst eine kleine Belohnung gegönnt: ein gutes Essen, das ich nur für mich gekocht habe. Es war kein perfekter Tag, aber einer, den ich nüchtern überstanden habe.
Tag 19: Klarer Kopf, nervöse Gedanken
Heute ist mir aufgefallen, dass ich viel klarer denken kann. Ich habe Dinge erledigt, die ich lange aufgeschoben habe, und war richtig produktiv. Gleichzeitig kreisten die Gedanken immer wieder um Alkohol. Nicht in Form von körperlichem Verlangen, sondern eher als Erinnerung. Es ist, als würde mein Kopf mir ständig Bilder schicken: der Geschmack, der Geruch, das Gefühl beim ersten Schluck. Ich weiß, dass das eine Falle ist. Deshalb habe ich mir kleine Ablenkungen gesucht – Lesen, Musik hören, kurze Telefonate. Am Abend hatte ich wieder diesen Drang, „nur ein Glas“ zu trinken. Aber ich habe es ausgehalten. Nach 19 Tagen fühle ich mich körperlich stabil, aber innerlich nervös. Vielleicht ist das ein Zeichen dafür, dass ich endlich beginne, mich wirklich mit meiner Sucht auseinanderzusetzen.
Tag 20: Ein kleiner Erfolg
Heute habe ich zum ersten Mal seit Jahren einen Samstag komplett nüchtern erlebt. Normalerweise war das der Tag, an dem ich schon früh angefangen habe zu trinken. Diesmal nicht. Ich bin früh aufgestanden, habe eingekauft, und den Nachmittag mit einem langen Spaziergang verbracht. Das Gefühl, den Tag klar und bewusst zu erleben, war fast neu für mich. Natürlich kamen Gedanken wie „es fehlt doch etwas“, aber sie waren schwächer als an anderen Tagen. Am Abend habe ich es mir gemütlich gemacht – Tee statt Bier, ein gutes Buch statt Kneipe. Ich war überrascht, wie viel ruhiger ich dadurch geworden bin. Es war ein kleiner Erfolg, aber einer, der mir Mut gibt. Nach 20 Tagen spüre ich zum ersten Mal, dass ein Leben ohne Alkohol möglich ist.
Tag 21: Drei Wochen geschafft
Geschafft – mit dem heutigen Tag habe ich die drei Wochen vollgemacht. Es fühlt sich surreal an, so lange nüchtern zu sein. Körperlich bin ich stabil, und ich merke, dass mein Energielevel steigt. Ich wache morgens klarer auf und habe das Gefühl, mehr Kraft für den Tag zu haben. Psychisch ist es aber nach wie vor ein Auf und Ab. Es gibt Momente, in denen ich mich frei fühle, und andere, in denen die Sehnsucht nach Alkohol stark ist. Besonders schwer war es heute Abend, als ich alte Freunde getroffen habe. Alle haben getrunken, und ich habe nur Wasser bestellt. Es war hart, aber auch ein Moment des Stolzes. Ich habe es geschafft, dabei zu sein, ohne schwach zu werden. Nach 21 Tagen ist mir klar: Ich bin auf einem guten Weg, aber die Gefahr bleibt.
Tag 22: Der innere Dialog
Heute war ein ruhiger Tag, aber in meinem Kopf war es laut. Immer wieder habe ich diesen inneren Dialog geführt: „Ein Glas wäre doch nicht schlimm.“ – „Doch, es wäre der Anfang vom Ende.“ Dieser Kampf ist ermüdend. Körperlich fühle ich mich fit, fast so, als wäre nie etwas gewesen. Genau das ist gefährlich, weil es den Gedanken an Alkohol wieder attraktiver macht. Ich habe den Tag bewusst mit kleinen Aufgaben gefüllt, um mich nicht hängen zu lassen. Trotzdem habe ich gemerkt, wie oft mein Kopf noch immer nach der alten Belohnung sucht. Am Abend habe ich mich bewusst hingesetzt und aufgeschrieben, was ich bisher erreicht habe. 22 Tage nüchtern – das klingt für mich fast unglaublich. Dieser Gedanke hat mich durch den Abend getragen.
Tag 23: Ein Gefühl von Freiheit
Habe heut zum ersten Mal gespürt, dass Nüchternheit auch Freiheit bedeutet. Ich bin aufgewacht, ohne Kater, ohne Schuldgefühle, ohne das Gefühl, meinen Körper zu zerstören. Das war neu und befreiend. Natürlich gab es immer wieder Gedanken an Alkohol, aber sie waren schwächer als sonst. Ich habe den Tag genutzt, um Dinge zu erledigen, die ich sonst immer verschoben habe. Es war fast so, als hätte ich mir ein Stück Leben zurückerobert. Am Nachmittag bin ich joggen gegangen, und ich war überrascht, wie viel Energie ich hatte. Das Gefühl danach war besser als jedes Glas Bier. Am Abend war ich zufrieden, und das ist ein Gefühl, das ich lange nicht mehr kannte. Heute war ein guter Tag.
Tag 24: Die Gefahr des Übermuts
Nach 24 Tagen fühle ich mich fast schon sicher – und genau das ist gefährlich. Ich habe gemerkt, dass der Gedanke „ich hab es doch geschafft, ein Glas geht schon“ wieder stärker wird. Es ist verrückt, wie der Kopf versucht, sich selbst zu sabotieren. Körperlich geht es mir hervorragend, ich habe keine Symptome mehr, keine Kopfschmerzen, kein Zittern. Der Schlaf ist besser, und ich habe mehr Energie. Aber genau das macht es so schwer. Es wäre so leicht, zu denken: „Jetzt kann ich ja wieder normal trinken.“ Ich weiß aber, dass es kein normales Trinken mehr geben wird. Das macht mich nachdenklich und manchmal traurig. Trotzdem war heute ein Tag, an dem ich stark geblieben bin. Und das zählt am Ende mehr als jeder Gedanke an Alkohol.
Tag 25: Ein klarer Morgen
Heute bin ich aufgewacht und habe sofort gemerkt, dass sich etwas verändert hat. Mein Kopf war frei, kein Druck, kein Nebel. Das war so ungewohnt, dass ich fast lachen musste. Körperlich geht es mir richtig gut, und ich spüre, dass mein Körper langsam wieder Kraft aufbaut. Trotzdem bleibt der innere Kampf bestehen, besonders am Abend. Es ist, als ob mein Kopf mich testen will: „Na, jetzt könntest du doch mal wieder.“ Ich habe bewusst Nein gesagt und mir klar gemacht, dass ein Glas alles zerstören würde. Stattdessen habe ich mich mit einem Spaziergang abgelenkt. Danach habe ich mich erstaunlich stolz gefühlt. 25 Tage ohne Alkohol – das ist mehr, als ich jemals geglaubt hätte.
Tag 26: Alte Gewohnheiten melden sich
Heute habe ich gemerkt, wie stark alte Gewohnheiten noch in mir stecken. Ich war einkaufen, und automatisch sind meine Augen zu den Bierregalen gewandert. Es war, als ob mein Körper die Bewegung von selbst gemacht hätte. Das hat mich erschrocken. Gleichzeitig war es auch eine Erinnerung daran, dass Sucht tief in den Alltag eingewoben ist. Ich habe mich bewusst entschieden, weiterzugehen und mich auf andere Dinge zu konzentrieren. Körperlich geht es mir sehr gut – mein Appetit ist zurück, und ich schlafe endlich besser. Aber die psychische Seite bleibt schwierig. Am Abend habe ich mich gefragt, wie lange ich diese Kämpfe noch führen muss. Doch dann kam auch der Gedanke: Jeder Tag bringt mich weiter weg vom alten Leben.
Tag 27: Erste Erfolge sichtbar
Heute war einer dieser Tage, an denen ich die Veränderungen wirklich gespürt habe. Ich habe mehr Energie, konnte mich konzentrieren und habe Aufgaben erledigt, die ich ewig vor mir hergeschoben habe. Mein Gesicht sieht gesünder aus, die Augen klarer, die Haut frischer. Freunde haben mich darauf angesprochen, und das tat unglaublich gut. Es ist fast, als würde ich mein altes Ich langsam zurückbekommen. Trotzdem gab es auch Momente, in denen ich an Alkohol gedacht habe – vor allem, als ich an einem Biergarten vorbeigelaufen bin. Der Geruch, die Geräusche, das Lachen – all das hat Erinnerungen geweckt. Aber diesmal war ich stark genug, einfach weiterzugehen. Das Gefühl danach war besser als jedes Bier.
Tag 28: Ein ruhiger Tag
Der achtundzwanzigste Tag war überraschend ruhig. Keine großen Stimmungsschwankungen, keine extremen Gedanken an Alkohol. Ich habe mich normal gefühlt – so, wie es wahrscheinlich sein sollte. Natürlich war da immer noch die kleine Stimme, die sagte: „Ein Glas würde nicht schaden.“ Aber sie war leiser als sonst. Ich habe den Tag genutzt, um Dinge zu tun, die mir Freude bereiten: Kochen, Lesen, ein bisschen Sport. Es hat sich gut angefühlt, einfach im Moment zu sein, ohne Alkohol im Kopf. Am Abend habe ich gemerkt, dass ich zum ersten Mal seit langem entspannt einschlafen konnte. Dieser Tag war unspektakulär – und genau das hat ihn besonders gemacht.
Tag 29: Rückblick und Zweifel
Heute habe ich viel über die letzten Wochen nachgedacht. 29 Tage ohne Alkohol – das klingt unfassbar, wenn ich bedenke, wie tief ich drin war. Gleichzeitig habe ich Zweifel gespürt: Was ist, wenn ich irgendwann doch wieder anfange? Diese Angst ist real und zeigt mir, dass ich wachsam bleiben muss. Körperlich fühle ich mich so gut wie lange nicht, aber die Psyche spielt weiter ihr Spiel. Ich habe mir alte Fotos angesehen, auf denen ich müde, aufgedunsen und fertig aussah. Das hat mir gezeigt, warum ich diesen Weg gehe. Am Abend habe ich mir selbst versprochen: Morgen ist der 30. Tag, und den will ich unbedingt schaffen. Dieser Gedanke hat mich stark gemacht.
Tag 30: Ein neuer Anfang
Heute ist Tag 30. Ich hätte nie geglaubt, dass ich es so weit schaffe. Der Monat war eine Achterbahnfahrt voller Höhen und Tiefen, voller Zweifel und kleiner Erfolge. Aber jetzt, am dreißigsten Tag, spüre ich echten Stolz. Körperlich geht es mir besser als seit Jahren – keine Kopfschmerzen, kein Zittern, kein ständiger Kater. Psychisch weiß ich, dass noch ein langer Weg vor mir liegt. Aber dieser Monat hat mir gezeigt, dass es möglich ist. Ich habe gelernt, dass Alkohol nicht mein Leben bestimmt, sondern dass ich die Kontrolle zurückgewinnen kann. Heute habe ich mir bewusst einen Moment genommen, tief durchzuatmen und dankbar zu sein. Es ist nicht das Ende, sondern der Anfang eines neuen Lebens.
Fragen und Antworten rund um den Alkoholentzug
Was passiert mit der Leber nach einer Woche ohne Alkohol?
Die Leber beginnt schon nach wenigen Tagen, sich zu regenerieren. Nach einer Woche sind erste Verbesserungen messbar, nach einem Monat sind die Werte bei vielen deutlich besser.
Wann ist ein Alkoholentzug vorbei?
Ein medizinisch begleiteter Entzug dauert meist 7–10 Tage. Die psychische Stabilisierung dauert jedoch deutlich länger – oft Wochen oder Monate.
Was passiert nach 3 Tagen ohne Alkohol?
Nach drei Tagen sind die heftigsten körperlichen Symptome oft vorbei, die Psyche bleibt aber angespannt. Viele berichten von einer Mischung aus Erleichterung und Nervosität.
Was kann bei einem kalten Alkoholentzug passieren?
Neben Zittern und Schweißausbrüchen drohen Krampfanfälle oder Halluzinationen. Ohne ärztliche Begleitung kann das lebensgefährlich werden.
Wann ist das schlimmste beim Alkoholentzug vorbei?
Die meisten berichten, dass nach 5–7 Tagen die akuten Symptome nachlassen. Der Kopf braucht jedoch länger, um sich zu stabilisieren.
Was hilft bei Schlafproblemen im Entzug?
Entspannungsrituale, feste Schlafzeiten, kein Koffein am Abend und leichte Bewegung können helfen. Manche setzen auch auf Baldrian- oder Melissentee.
Zusammenfassung
Die ersten 30 Tage im Alkoholentzug sind eine Mischung aus körperlichen Symptomen, psychischen Herausforderungen und ersten Erfolgen. Die schwersten Tage sind meist die ersten drei, danach folgt eine Phase mit Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und Suchtdruck. Doch gleichzeitig stellen sich erste Verbesserungen ein: bessere Haut, tieferer Schlaf, klareres Denken. Nach 30 Tagen haben viele das Gefühl, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Wer Unterstützung sucht, sollte nicht zögern, Ärzte oder Selbsthilfegruppen einzubeziehen. Der Weg ist hart, aber machbar – und am Ende lohnt es sich, weil Lebensqualität zurückkehrt.
Fazit
Alkoholentzug in den ersten 30 Tagen ist ein intensiver Prozess, der Körper und Geist gleichermaßen fordert. Es gibt Tage voller Zweifel und Momente voller Stärke. Wichtig ist, sich kleine Ziele zu setzen, Hilfe anzunehmen und jeden Erfolg bewusst wahrzunehmen. Wer einmal den ersten Monat geschafft hat, hat bereits eine enorme Hürde überwunden. Der Schlaf verbessert sich, das Energielevel steigt, und die Psyche stabilisiert sich langsam. Rückschläge gehören dazu, doch jeder neue Tag ohne Alkohol ist ein Sieg. Mit Geduld, Unterstützung und einem klaren Blick nach vorn lässt sich der Weg gehen. Am Ende steht nicht nur ein nüchterner Alltag, sondern ein echter Neuanfang, der das Leben verändern kann. Deshalb lohnt es sich, dranzubleiben, auch wenn es schwer ist. Und seien wir ehrlich: Wer 30 Tage geschafft hat, der kann auch den nächsten Schritt gehen.