Open Source statt Microsoft Word, Excel und Outlook: Schleswig-Holstein reagiert auf Trump

Lesedauer: 4 MinAktualisiert: 16. April 2025 14:54

Open Source als Alternative in Behörden?

Schleswig-Holstein sagt Tschüss zu Microsoft und Hallo zu Open Source. Und ja, das ist kein kleiner Schritt. Es geht nicht nur um ein paar Office-Lizenzen oder einen hübscheren E-Mail-Client – es ist ein echtes Umdenken in der Verwaltung. Der eigentliche Aufhänger? Donald Trump. Oder genauer gesagt: die Sorge vor politisch motivierten Zugriffen auf Daten europäischer Nutzer durch US-Dienste. Die Entscheidung wirkt wie ein stilles „Nicht mit uns“ – pragmatisch, norddeutsch, ein bisschen stur, aber sehr durchdacht.

Was viele gar nicht wissen: Öffentliche Verwaltungen hängen seit Jahrzehnten an der Nadel großer US-Konzerne. Word, Excel, Outlook – klar, funktioniert. Aber genau das ist ja das Problem: Man gewöhnt sich so sehr daran, dass man den Blick für Alternativen verliert. Und die gibt es. Nicht nur technisch, sondern auch ethisch und datenschutzrechtlich gesehen.

Was genau wird ersetzt – und warum?

Es geht um die klassischen Microsoft-Produkte, die in fast jeder Behörde zum Alltag gehören:

  • Microsoft Word – Textverarbeitung
  • Microsoft Excel – Tabellen und Daten
  • Microsoft Outlook – E-Mail, Kalender, Kontakte

Diese Softwarelösungen werden nun Schritt für Schritt durch Open Source ersetzt – etwa durch LibreOffice und andere quelloffene Alternativen. Das Ziel: Digitale Souveränität. Denn mit Open Source bleibt der Code offen, nachvollziehbar und unabhängig von politischen oder wirtschaftlichen Interessen.

Warum das wichtig ist? Weil der sogenannte „CLOUD Act“ es US-Behörden erlaubt, auf Daten von amerikanischen Anbietern zuzugreifen – auch wenn diese Daten in Europa liegen. Und genau hier zieht Schleswig-Holstein die Reißleine.

Ein bisschen Idealismus – aber mit klarem Nutzen

Klar, Open Source klingt erstmal nach Studentenprojekt und Nerd-Ecke. Aber die Zeiten ändern sich. Immer mehr Behörden und Unternehmen steigen auf quelloffene Lösungen um. Und das nicht nur aus Idealismus – sondern aus handfestem Interesse.

Ein Beispiel: Die Stadt München hat diesen Schritt schon vor Jahren gewagt (wenn auch mit Rückziehern) und dabei gezeigt, dass es funktionieren kann. Andere Länder wie Frankreich und Spanien experimentieren ebenfalls mit Open Source. Schleswig-Holstein ist also keineswegs allein unterwegs. Aber sie setzen es jetzt konsequent und systematisch um – und das ist neu.

Was bedeutet das für dich?

Vielleicht arbeitest du selbst in einer Verwaltung, in der Word und Excel seit Jahren Standard sind. Dann fragst du dich: Geht das wirklich, ohne dass alles zusammenbricht?

Die Antwort lautet: Ja – wenn man es richtig macht. Der Umstieg ist kein Sonntagsspaziergang, aber auch keine Mondlandung. Es braucht gute Schulungen, etwas Geduld und eine ehrliche Auseinandersetzung mit alten Gewohnheiten. Aber langfristig profitiert nicht nur die öffentliche Hand davon, sondern auch wir Bürger. Mehr Transparenz, weniger Abhängigkeit – und ein sinnvoller Umgang mit unseren Steuergeldern.

Und was hat Trump jetzt damit zu tun?

Ganz einfach: Der Umgang der USA mit Daten, Datenschutz und internationalen Verträgen hat in den letzten Jahren zu einem massiven Vertrauensverlust geführt. Auch nach Trumps Amtszeit ist das Misstrauen geblieben – und damit die Frage: Wollen wir unsere digitale Infrastruktur wirklich an ein Land binden, das jederzeit Zugriff auf sensible Daten beanspruchen kann?

Schleswig-Holstein sagt: Nein, wollen wir nicht. Und auch wenn das Ganze auf den ersten Blick technokratisch wirkt – es ist ein politisches Statement. Leise, aber eindeutig.

Die Vorteile von Open Source auf einen Blick

  • Transparenz: Quellcode ist einsehbar und überprüfbar
  • Kostenersparnis: Keine Lizenzgebühren
  • Datenschutz: Keine Hintertüren, keine Drittstaaten-Abhängigkeit
  • Flexibilität: Anpassung an individuelle Anforderungen
  • Souveränität: Kontrolle über die eigene IT-Infrastruktur

Natürlich gibt es auch Herausforderungen – etwa bei der Kompatibilität oder der Schulung von Mitarbeitenden. Aber wenn man ehrlich ist: Auch Microsoft-Updates sorgen regelmäßig für Stirnrunzeln. Wer kennt sie nicht, die Tage, an denen Outlook einfach mal nicht will? 😉

Ein Blick in die Praxis

In einem IT-Forum berichtete ein Mitarbeiter einer schleswig-holsteinischen Kommune, dass die Umstellung anfangs holprig war – besonders bei komplexen Excel-Tabellen. Aber: „Nach drei Monaten war der Alltag wieder normal, und wir haben heute mehr Kontrolle über unsere Daten als je zuvor.“ Ein schöner Nebeneffekt: Die IT-Abteilung wird plötzlich als strategischer Partner wahrgenommen, nicht mehr nur als Reparaturtruppe für defekte Drucker.

Fazit: Mehr als nur ein Softwarewechsel

Der Schritt von Schleswig-Holstein ist mutig, notwendig und zukunftsweisend. Es geht nicht nur um Technik – es geht um Verantwortung. Um die Frage, wem wir unsere digitale Infrastruktur anvertrauen wollen. Und ob wir als Gesellschaft bereit sind, unabhängigere Wege zu gehen.

Vielleicht ist Open Source nicht für jeden sofort die perfekte Lösung. Aber es ist eine Einladung, die Dinge zu überdenken. Einen neuen Weg einzuschlagen. Oder zumindest mal zu schauen, was es jenseits von Word, Excel und Outlook noch so gibt.

Und mal ehrlich: Wenn selbst eine ganze Landesregierung diesen Schritt wagt – warum nicht auch du?

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Guido Marquardt

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Sina Eschweiler

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