Wohin gehen Spinnen im Winter?

Lesedauer: 7 MinAktualisiert: 8. Oktober 2025 12:52

Viele Menschen fragen sich im Herbst, wohin all die Spinnen verschwinden. Spinnen im Winter beschreibt ein Phänomen, das jedes Jahr für neugierige Blicke sorgt. Wenn es draußen kälter wird, scheint es, als wären die Achtbeiner plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Doch die Wahrheit ist: Spinnen haben faszinierende Strategien entwickelt, um die kalte Jahreszeit zu überstehen.

Kurz gesagt: Die meisten Spinnenarten überwintern – aber nicht in unseren warmen Wohnzimmern, sondern gut versteckt draußen. Einige überleben als ausgewachsene Tiere, andere nur als Eier oder Jungtiere. Wie das genau funktioniert, hängt von der Art ab.

Warum Spinnen im Herbst häufiger zu sehen sind

Im Herbst nehmen viele Menschen Spinnen besonders deutlich wahr – meist, wenn eine Hauswinkelspinne im Wohnzimmer auftaucht oder eine Kreuzspinne ihre Netze im Garten spannt. Das liegt daran, dass viele Spinnenarten im Spätsommer geschlechtsreif werden. Die Männchen gehen dann aktiv auf Partnersuche und verlassen ihre Verstecke. Besonders an warmen Septemberabenden kann man sie auf Wänden, in Kellern oder an Fenstern entdecken.

Nach der Paarung sterben viele Männchen, während die Weibchen ihre Eier in Kokons legen und diese sorgfältig verstecken – oft unter Steinen, Rinden oder in Nischen an Hauswänden. Die daraus entstehenden Jungspinnen überstehen den Winter in einer Art Kältestarre.

Wie überleben Spinnen im Winter draußen?

Spinnen sind erstaunlich anpassungsfähig. Die meisten heimischen Arten überwintern im Freien, obwohl Minusgrade herrschen. Sie haben spezielle Mechanismen entwickelt, um nicht zu erfrieren. Dazu gehören:

  • Frostschutzmittel im Körper: Viele Spinnen produzieren eine Art „Glykol“, das wie Frostschutz wirkt. Es verhindert, dass ihre Körperflüssigkeiten gefrieren.
  • Winterschlaf oder Kältestarre: Spinnen verlangsamen ihren Stoffwechsel drastisch. Dadurch benötigen sie kaum Energie und überstehen Wochen ohne Nahrung.
  • Verstecke mit stabilem Mikroklima: Unter Laub, in Baumrinden, Erdlöchern oder Mauerritzen herrscht oft eine gleichbleibende Temperatur, die sie vor Frost schützt.

Das bedeutet konkret: Spinnen erfrieren im Winter normalerweise nicht. Selbst Temperaturen weit unter null Grad sind für viele Arten kein Problem, solange sie einen geschützten Ort finden.

Leben Spinnen auch im Haus weiter?

Ja – aber es sind andere Arten als draußen. Viele Hausspinnen wie die bekannte Tegenaria domestica leben ohnehin dauerhaft in Gebäuden. Sie sind perfekt an das Leben in menschlicher Nähe angepasst und überstehen auch den Winter problemlos. Anders als oft vermutet, ziehen sie nicht im Herbst extra ins Haus, um es sich gemütlich zu machen – sie sind einfach schon da.

Die Hausspinnen-Arten nutzen dunkle, trockene Ecken – etwa in Kellern, Dachböden oder hinter Möbeln. Da sie kaum Kälte abbekommen, bleibt ihr Lebenszyklus aktiv, auch wenn es draußen friert. Sie jagen weiterhin Insekten, solange es genug Beute gibt.

Wie sieht der Lebenszyklus von Spinnen im Jahresverlauf aus?

Der Zyklus vieler Spinnen folgt einem festen Muster:

JahreszeitAktivität
FrühlingJungspinnen schlüpfen, wachsen schnell und bauen erste Netze.
SommerErwachsene Tiere jagen aktiv, paaren sich und bauen stabile Netze.
HerbstPaarungszeit, Eiablage und Suche nach geschützten Überwinterungsorten.
WinterRuhephase, Kältestarre oder Überleben im Ei-Stadium.

So entsteht der Eindruck, dass Spinnen „verschwinden“, obwohl sie sich nur zurückziehen.

Welche Arten überleben den Winter und wie?

Einige der bekanntesten Beispiele für winterharte Spinnen sind:

  • Kreuzspinnen: Ihre Eier überdauern den Winter im Kokon. Die Jungtiere schlüpfen im Frühling.
  • Wolfspinnen: Sie vergraben sich tief im Boden oder in Laubhaufen und fallen in Winterstarre.
  • Hauswinkelspinnen: Sie leben ganzjährig in Gebäuden und sind somit kaum von Frost betroffen.
  • Zitterspinnen: Ebenfalls typische Hausbewohner, die selbst bei Kälte aktiv bleiben.

Diese Strategien zeigen, dass Spinnen erstaunlich gut an das Leben in unterschiedlichen Umgebungen angepasst sind – von kühlen Garagen bis zu frostigen Gärten.

Wo verstecken sich Spinnen genau im Winter?

Spinnen suchen Orte mit konstanter Temperatur und Schutz vor Wind und Feuchtigkeit. Dazu gehören:

  • Ritzen in Mauern und Holzstapeln
  • Hohlräume unter Steinen und Baumrinde
  • Laubhaufen oder Kompost
  • Unter Dachziegeln oder Fensterrahmen
  • In Kellern, Gartenhäuschen oder Garagen

Diese Plätze bieten ihnen ausreichend Schutz, um Frost zu überstehen. Manche Arten weben dort kleine Schutznetze, andere wickeln sich in eine dünne Spinnenseidenschicht ein.

Wie reagieren Spinnen auf extreme Kälte?

Wenn es wirklich sehr kalt wird, fallen viele Spinnen in eine Kältestarre. Dabei stellt ihr Körper fast alle Lebensfunktionen ein – ähnlich wie ein „Stand-by-Modus“. Erst wenn die Temperaturen wieder steigen, werden sie aktiv. Wird der Winter allerdings zu mild, kann das für einige Arten gefährlich werden: Sie wachen zu früh auf, finden keine Nahrung und verhungern.

Interessant zu wissen

Einige Arten haben sogar „eingebaute Thermometer“: Sie spüren Temperaturunterschiede im Millikelvin-Bereich und reagieren sofort, indem sie sich tiefer in ihr Versteck zurückziehen. Faszinierend, oder?

Welche Spinnen überleben im Haus?

Spinnen im Haus sind meist langlebiger, da sie konstanten Temperaturen ausgesetzt sind. Typische Arten sind:

  • Hauswinkelspinne (Eratigena atrica): Häufig in Kellern und Garagen.
  • Zitterspinne (Pholcus phalangioides): In Zimmerecken und unter Decken.
  • Kellerasseljägerin (Dysdera crocata): Frisst Asseln und lebt in dunklen Ecken.

Sie profitieren indirekt von der Heizperiode, da sie dort Insekten wie Mücken, Motten oder Silberfischchen jagen können.

Wie kannst du Spinnen im Winter helfen?

Wer Spinnen etwas Gutes tun möchte, kann mit kleinen Maßnahmen helfen:

  • Laubhaufen im Garten liegen lassen: Sie dienen als perfekter Unterschlupf.
  • Keine Ritzen im Herbst abdichten: So können Spinnen sichere Überwinterungsplätze nutzen.
  • Nicht alle Spinnen entfernen: Gerade in Kellern und Garagen helfen sie, Insektenpopulationen niedrig zu halten.
  • Im Haus lebende Spinnen im Winter nicht raussetzen: Draußen würden sie erfrieren, da sie an konstante Temperaturen gewöhnt sind.

Nützlicher Tipp für Gartenfreunde

Lass beim Aufräumen im Spätherbst ruhig ein paar Ecken „wild“. Unter altem Laub oder Holzstapeln überwintern nicht nur Spinnen, sondern auch viele nützliche Insekten. So unterstützt du das natürliche Gleichgewicht in deinem Garten.

Warum Spinnen wichtig für das Ökosystem sind

Spinnen sind unverzichtbar für das ökologische Gleichgewicht. Sie fangen täglich Milliarden Insekten – darunter Mücken, Fliegen und Schädlinge. Ohne sie würde das Insektenaufkommen massiv steigen. Im Winter sorgt ihr Rückzug dafür, dass das Ökosystem nicht völlig zusammenbricht, sondern sich ausbalanciert.

Spinnen sind also keine ungebetenen Gäste, sondern kleine Helden mit acht Beinen. 😊

Häufige Fragen zu Spinnen im Winter

Frieren Spinnen im Winter?

Nein, Spinnen frieren nicht so wie Menschen. Ihr Körper enthält eine Art Frostschutzmittel, das verhindert, dass ihre Flüssigkeiten gefrieren. Selbst bei Temperaturen von minus 10 Grad bleiben sie überlebensfähig.

Warum sieht man im Winter kaum Spinnen?

Weil sie sich gut verstecken! Die meisten Spinnen überwintern im Laub, unter Steinen oder in Mauerritzen. Nur wenige leben aktiv im Haus weiter.

Können Spinnen erfrieren?

In der Regel nicht. Nur wenn sie keine geschützte Stelle finden oder plötzlich auftauchen und keine Zeit haben, sich anzupassen, kann extreme Kälte gefährlich werden.

Soll man Spinnen im Winter ins Freie setzen?

Nein – Hausspinnen überleben draußen meist nicht. Wenn du sie nicht magst, setze sie lieber in den Keller oder die Garage. Draußen sind sie in der Kälte verloren.

Was passiert mit Spinneneiern im Winter?

Viele Eier überstehen die kalte Jahreszeit gut. Sie liegen in Kokons, die die Weibchen vorher gesponnen haben. Diese feinen Gebilde schützen die Eier vor Frost und Feuchtigkeit.

Warum erscheinen im Winter manchmal trotzdem Spinnen im Haus?

Das sind meist Hausspinnen, die ohnehin drinnen leben. Durch das Heizen werden sie manchmal aktiver und suchen nach Beute oder einem neuen Platz.

Wie lange leben Spinnen eigentlich?

Das hängt von der Art ab. Kleine Arten werden oft nur ein Jahr alt, während große Hausspinnen bis zu drei Jahre leben können.

Zusammenfassung

Spinnen verschwinden im Winter nicht – sie ziehen sich nur zurück. Draußen überwintern sie in sicherer Kältestarre, geschützt unter Laub, Steinen oder Rinden. Hausspinnen dagegen leben ganzjährig in Gebäuden und sind perfekt an diese Umgebung angepasst. Ihr Überlebensgeheimnis liegt in biologischen Frostschutzstoffen und clever gewählten Verstecken. Wenn du also im Winter keine Spinnen siehst, heißt das nicht, dass sie weg sind – sie warten nur auf den Frühling. Und das ist gar nicht so unheimlich, oder?

Fazit

Spinnen im Winter zu verstehen, hilft, sie weniger zu fürchten. Sie sind faszinierende, anpassungsfähige Tiere mit beeindruckenden Überlebensstrategien. Anstatt sie zu vertreiben, können wir sie als natürliche Schädlingsbekämpfer schätzen lernen. Ihr Rückzug in die Winterruhe ist Teil des natürlichen Kreislaufs. Wenn der Frühling kommt, sind sie wieder da – bereit, Netze zu bauen und ihre wichtige Rolle in der Natur fortzusetzen. Also: Beim nächsten Mal, wenn du eine Spinne siehst, denk daran, wie clever sie den Winter überstanden hat. Hast du schon einmal eine Spinne im Winter entdeckt?

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Guido Marquardt

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Melanie Weissberger

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Johannes Breitenreiter

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Sina Eschweiler

Sina Eschweiler

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