Foul nach dem Torschuss: Wann trotzdem Elfmeter gepfiffen wird

Lesedauer: 9 MinAktualisiert: 11. Juni 2026 23:51

Ein Foul nach einem Torschuss kann auch dann noch zum Elfmeter führen, wenn der Schuss schon abgegeben wurde. Entscheidend ist, ob das Vergehen vor, während oder unmittelbar nach dem Abschluss passiert und ob es den Angreifer in der laufenden Aktion beeinträchtigt hat.

Für die Strafstoßentscheidung zählt also nicht allein der Moment des Schusses. Der Schiedsrichter bewertet die gesamte Szene: Ort des Vergehens, Zeitpunkt, Ballnähe, Vorteilssituation und die Frage, ob ein regelwidriges Einwirken den Angriff beeinflusst hat.

Worauf es bei der Entscheidung wirklich ankommt

Im Fußball ist ein Strafstoß kein Automatismus, nur weil der Ball schon Richtung Tor unterwegs war. Ein Foul nach dem Torschuss wird dann relevant, wenn das Vergehen im Strafraum geschieht und zur laufenden Angriffshandlung gehört. Das ist der Kernpunkt, der in Diskussionen am Spielfeldrand oft untergeht.

Der Schiedsrichter schaut dabei auf die Abfolge der Aktion. War das Foul schon im Kontaktmoment des Abschlusses vorhanden, ist die Lage meist klarer. Passiert das Vergehen erst nach dem Schuss, kann es trotzdem strafbar sein, wenn der Angreifer etwa gehalten, getreten, gestoßen oder am Weiterspielen gehindert wird.

Eine wichtige Unterscheidung ist die zwischen einem normalen Körpereinsatz und einem regelwidrigen Foul. Ein leichter Kontakt gehört zum Fußball dazu. Ein Stoßen, Halten oder Treten im Strafraum bleibt aber auch dann strafbar, wenn der Ball den Fuß des Schützen bereits verlassen hat.

Warum der Zeitpunkt allein nicht reicht

Viele Zuschauer konzentrieren sich nur auf den Schuss. Die Regelprüfung ist aber breiter. Ein Pfiff wegen Strafstoßes kann auch fallen, wenn der eigentliche Ballkontakt schon vorbei ist, der Angreifer aber durch das Einwirken des Gegners in seiner Aktion beeinträchtigt wurde.

Gerade bei schnellen Szenen ist der Ablauf oft schwer zu erkennen. Der Schiedsrichter oder der Video-Assistent prüft dann, ob der Verteidiger den Gegenspieler zuerst am Körper erwischt hat oder ob der Kontakt erst nach dem Abschluss kam und folgenlos blieb. Diese Unterscheidung entscheidet häufig darüber, ob es Elfmeter, Freistoß oder gar keinen Pfiff gibt.

Auch die Richtung des Balles spielt eine Rolle. Geht der Ball nach dem Schuss ins Aus, wird trotzdem geprüft, ob zuvor ein strafwürdiges Vergehen vorlag. Der Ballverlust allein beendet die Bewertung nicht sofort, denn das Foul kann bereits passiert sein.

Typische Situationen, in denen der Strafstoß bleibt

Ein Elfmeter kommt vor allem dann in Frage, wenn der Abschluss nur der Endpunkt einer laufenden Aktion ist und der Angreifer während dieser Aktion unfair gestoppt wurde. Das passiert häufig bei Nachschüssen, Abprallern und unübersichtlichen Strafraumszenen.

  • Der Schütze wird beim Ausholen oder direkt im Schussbein getroffen.
  • Ein Verteidiger hält den Angreifer noch fest, obwohl der Ball bereits abgespielt oder geschossen wurde.
  • Es kommt nach dem Abschluss zu einem Stoßen, das die natürliche Bewegung des Spielers blockiert.
  • Ein Fußkontakt vor dem Schuss reicht in der Regel aus, auch wenn der Ball danach noch weg ist.

Besonders heikel sind Szenen, in denen der Verteidiger den Ball zwar verpasst, aber klar den Gegner trifft. Dann kann der Schiedsrichter auf Strafstoß entscheiden, selbst wenn der Ball schon weg ist. Der Ballbesitz ist also nicht das einzige Kriterium.

Wann kein Elfmeter gegeben wird

Kein Strafstoß liegt meist vor, wenn der Kontakt erst nach einer bereits abgeschlossenen, unabhängigen Bewegung entsteht und keinerlei Einfluss mehr auf die Spielaktion hat. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn zwei Spieler nach dem Schuss ineinanderlaufen, ohne dass eines der beiden Vergehen regelwidrig war.

Anleitung
1Den genauen Kontaktmoment im Verhältnis zum Torschuss prüfen.
2Feststellen, ob das Vergehen im Strafraum passiert ist.
3Bewerten, ob der Gegner aktiv in die Aktion eingegriffen hat.
4Einordnen, ob der Kontakt regelwidrig oder nur normaler Körpereinsatz war.
5Die Spielfortsetzung entsprechend wählen: Elfmeter, Freistoß oder kein Pfiff.

Ebenfalls kein Elfmeter ist ein Kontakt, der zu leicht ist, um als Foul zu gelten. Ein bloßes Streifen im Laufduell oder ein normaler Körperkontakt reicht im Strafraum nicht automatisch aus. Der Schiedsrichter muss immer bewerten, ob der Gegner die Szene unfair beeinflusst hat.

Auch eine Schwalbe kann hier eine Rolle spielen. Wer nach einem bereits abgeschlossenen Torschuss versucht, einen Kontakt zu simulieren, hilft seiner Mannschaft nicht weiter. Im Gegenteil: Solche Szenen landen schnell bei einer Verwarnung für unsportliches Verhalten.

So läuft die Bewertung in der Praxis ab

Schiedsrichter folgen bei solchen Szenen meist einer einfachen Reihenfolge: erst sehen, dann ordnen, dann entscheiden. Der Blick geht zunächst auf die Kontaktstelle, dann auf den Zeitpunkt des Kontakts und danach auf die Wirkung auf den Angreifer. Erst wenn diese Punkte zusammenpassen, entsteht ein klarer Strafstoßfall.

  1. Den genauen Kontaktmoment im Verhältnis zum Torschuss prüfen.
  2. Feststellen, ob das Vergehen im Strafraum passiert ist.
  3. Bewerten, ob der Gegner aktiv in die Aktion eingegriffen hat.
  4. Einordnen, ob der Kontakt regelwidrig oder nur normaler Körpereinsatz war.
  5. Die Spielfortsetzung entsprechend wählen: Elfmeter, Freistoß oder kein Pfiff.

Für Zuschauer wirkt das manchmal inkonsistent, weil der Ball bereits im Torraum oder sogar im Aus sein kann. Für die Regelentscheidung ist aber entscheidend, ob der Angriff noch durch ein Foul beeinflusst wurde. Das ist der Punkt, an dem viele Diskussionen entstehen.

Ein paar Szenen aus dem Spielalltag

Ein Stürmer zieht im Strafraum ab, der Verteidiger grätscht im selben Moment daneben und trifft das Schussbein. Der Ball landet trotzdem beim Keeper oder neben dem Tor. In dieser Lage ist ein Elfmeter sehr gut möglich, weil der Kontakt den Abschluss regelwidrig beeinflusst hat.

Anders sieht es aus, wenn der Angreifer bereits geschossen hat, der Verteidiger danach nur noch zufällig an das Bein des Stürmers gerät und die Aktion dadurch keinen Einfluss mehr auf den Ball hatte. Dann gibt es häufig keinen Strafstoß, weil das Vergehen nicht mehr für die Spielsituation relevant war.

Noch kniffliger wird es, wenn ein Spieler nach dem Torschuss zu Boden geht, weil er zuvor leicht am Arm gehalten wurde. Hier prüfen Schiedsrichter sehr genau, ob dieses Halten wirklich ausreichte, um die Aktion zu stören, oder ob der Kontakt lediglich Teil des Gerangels war.

Was Zuschauer oft missverstehen

Ein häufiger Irrtum lautet: Nach dem Schuss ist alles vorbei. Das stimmt so nicht. Solange sich die Spielaktion noch in derselben Bewegung abspielt und der Gegenspieler regelwidrig eingreift, kann der Strafstoß weiter im Raum stehen.

Ein zweiter Irrtum betrifft die Härte des Kontakts. Nicht jeder Treffer ist automatisch ein Foul, aber ein Foul muss auch nicht brutal aussehen, um strafbar zu sein. Gerade kleine Halte- oder Schubbewegungen können im Strafraum entscheidend sein, wenn sie den Schuss oder die Nachbewegung beeinflussen.

Wer die Szene richtig verstehen will, sollte daher immer drei Fragen im Kopf behalten: Wo war der Kontakt, wann war er, und was hat er ausgelöst? Genau diese Reihenfolge hilft auch dabei, hitzige Diskussionen etwas zu sortieren.

Die Rolle des VAR bei solchen Entscheidungen

Der Video-Assistent greift nur ein, wenn ein klarer Fehler vorliegt oder eine Szene überprüfungswürdig ist. Bei einem Foul nach einem Torschuss geht es oft um Millisekunden und um die Frage, ob der Kontakt im Strafraum tatsächlich strafbar war. Das macht die Bewertung für den VAR besonders sensibel.

Wird ein klarer Treffer auf das Bein oder ein deutliches Halten sichtbar, kann die Szene korrigiert werden. Bleibt der Kontakt dagegen im Bereich des normalen Zweikampfs, bleibt meist die Entscheidung auf dem Feld bestehen. Der VAR ersetzt also keine saubere Regelbewertung, sondern prüft nur grobe Fehlentscheidungen.

Für die Praxis heißt das: Nicht jede laute Beschwerde führt zu einer Überprüfung. Erst wenn Bild und Regelbild zusammen einen klaren Fehler ergeben, wird aus einer strittigen Szene ein Strafstoß oder eben kein Strafstoß.

So ordnet man die Szene selbst ein

Wer eine solche Situation nachvollziehen will, kann die Szene in gedanklichen Schritten auseinanderziehen. Zuerst auf den Kontakt achten, dann auf den Ball, danach auf die Bewegung des Angreifers. So lässt sich meist gut erkennen, ob der Schuss schon abgeschlossen war oder ob der Gegner noch regelwidrig in die Aktion hineingegangen ist.

Hilfreich ist auch die Frage, ob der Spieler ohne den Kontakt frei weiterspielen konnte. Wenn die Antwort nein lautet, spricht das eher für ein strafbares Foul. Wenn der Spieler ohnehin schon den Ball verloren hatte und nur noch nachlief, ist ein Elfmeter deutlich weniger wahrscheinlich.

Gerade in Spielen mit viel Tempo lohnt sich dieser Blick. Er verhindert vorschnelle Urteile und erklärt, warum ein Pfiff trotz bereits abgegebenem Schuss völlig regelkonform sein kann.

Fragen und Antworten

Wann bleibt nach einem Abschluss noch ein Strafstoß möglich?

Ein Pfiff kann bleiben, wenn das Vergehen bereits vor oder während des Schusses begonnen hat und die Aktion erst danach abgeschlossen wurde. Entscheidend ist, ob der Angreifer durch das Foul noch in seiner Aktion beeinträchtigt wurde oder der Verteidiger mit dem Kontakt bereits eine strafbare Handlung gesetzt hat.

Spielt es eine Rolle, ob der Ball schon im Tor war?

Ja, aber nicht allein. Der Zeitpunkt des Balls im Netz beendet die Bewertung nicht automatisch, weil der Schiedsrichter auch das vorherige Zweikampfverhalten prüfen muss.

Kann ein Foul nach einem Tor trotzdem zu einem Elfmeter führen?

Das ist möglich, wenn das Foul vor dem Torerfolg begonnen hat oder dieselbe Spielsituation noch nicht abgeschlossen war. Dann kann der Treffer zurückgenommen und stattdessen auf Strafstoß entschieden werden, sofern das Vergehen im Strafraum lag.

Was passiert, wenn das Foul erst nach dem klaren Abschluss passiert?

Dann gibt es in der Regel keinen Elfmeter für die abgeschlossene Angriffsaktion. Stattdessen kann das spätere Vergehen als eigene Szene bewertet werden, etwa mit Freistoß oder persönlicher Strafe.

Warum achten Schiedsrichter auf den gesamten Bewegungsablauf?

Weil ein Kontakt oft nicht in einem einzigen Moment entsteht. Besonders bei Schussaktionen, Abwehrversuchen und Nachsetzer-Situationen muss die komplette Sequenz betrachtet werden, damit die Entscheidung zum Ablauf passt.

Welche Rolle spielt der Ort des Vergehens?

Der Ort ist zentral, denn ein elfmeterwürdiges Foul muss im Strafraum passieren. Findet das Vergehen knapp außerhalb statt, bleibt es bei einem Freistoß, auch wenn der Ball kurz danach im Tor landet.

Wie entscheidet der VAR in solchen Szenen?

Der VAR prüft, ob der Schiedsrichter einen klaren Fehler gemacht hat. Dabei geht es vor allem um den genauen Zeitpunkt des Kontakts, die Strafraumgrenze und die Frage, ob der Angriff noch nicht beendet war.

Wieso gibt es bei solchen Szenen oft Diskussionen?

Weil mehrere Ereignisse sehr dicht aufeinanderfolgen und im Stadion nur schwer sauber zu trennen sind. Für die Bewertung zählt aber nicht der Eindruck des Augenblicks, sondern die Reihenfolge der einzelnen Handlungen.

Kann auch ein abgewehrter Schuss noch Teil derselben Situation sein?

Ja, ein Nachschuss oder ein direkt anschließender Zweikampf kann noch zur gleichen Szene gehören. Dann wird geprüft, ob das Foul den laufenden Angriff oder den zweiten Ballkontakt beeinflusst hat.

Was sollte man sich bei einer knappen Entscheidung merken?

Wichtig sind drei Punkte: Zeitpunkt, Ort und Zusammenhang der Aktion. Nur wenn das Vergehen im Strafraum liegt und die Angriffssituation noch läuft, ist ein Strafstoß überhaupt möglich.

Fazit

Bei späten Kontakten nach einem Abschluss zählt nicht der bloße Torerfolg, sondern der gesamte Ablauf der Szene. Wer die Reihenfolge der Aktionen, die Strafraumgrenze und den Spielzusammenhang betrachtet, versteht die Entscheidung deutlich besser.

Checkliste
  • Der Schütze wird beim Ausholen oder direkt im Schussbein getroffen.
  • Ein Verteidiger hält den Angreifer noch fest, obwohl der Ball bereits abgespielt oder geschossen wurde.
  • Es kommt nach dem Abschluss zu einem Stoßen, das die natürliche Bewegung des Spielers blockiert.
  • Ein Fußkontakt vor dem Schuss reicht in der Regel aus, auch wenn der Ball danach noch weg ist.

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