Wie berechne ich die gewichtete Durchschnittsrendite bei mehreren Ein- und Auszahlungen?

Lesedauer: 6 MinAktualisiert: 25. Dezember 2025 16:15

Die gewichtete Durchschnittsrendite zeigt, wie gut sich dein Investment tatsächlich entwickelt hat, wenn du über die Zeit mehrfach Geld ein- oder ausgezahlt hast. Sie berücksichtigt Zeitpunkt und Höhe jeder Zahlung und liefert damit ein realistischeres Bild als eine einfache Durchschnittsrechnung.

Das bedeutet konkret: Wer regelmäßig spart, zwischendurch nachkauft oder Teilbeträge entnimmt, braucht eine Methode, die genau diese Dynamik abbildet – sonst sind Vergleiche und Bewertungen schnell verzerrt.

In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du die gewichtete Durchschnittsrendite berechnest, worin sie sich von anderen Renditekennzahlen unterscheidet, wann welche Methode sinnvoll ist und wie du typische Fehler vermeidest. Ganz ohne unnötigen Matheballast – aber mit genügend Tiefe, damit du die Ergebnisse wirklich verstehst.

Was bedeutet gewichtete Durchschnittsrendite überhaupt?

Die gewichtete Durchschnittsrendite misst die Wertentwicklung einer Geldanlage unter Berücksichtigung der Zeitdauer, in der jeder investierte Euro tatsächlich gearbeitet hat. Ein Euro, der zehn Jahre investiert war, zählt stärker als ein Euro, der erst seit drei Monaten im Markt ist.

Die Antwort lautet: Nicht jeder Euro ist gleich viel wert – zumindest nicht im Renditevergleich. Genau deshalb reicht eine einfache Rechnung wie „Endwert minus Einzahlungen“ nicht aus.

Typische Situationen, in denen diese Kennzahl relevant wird:

  • monatliche Sparpläne
  • unregelmäßige Nachkäufe
  • Teilauszahlungen oder Umschichtungen
  • mehrere Startzeitpunkte eines Investments

Gerade bei langfristigen Anlagen kann der Unterschied zwischen „gefühlter Rendite“ und gewichteter Rendite erstaunlich groß sein.

Warum eine einfache Durchschnittsrendite oft in die Irre führt

Viele Anleger rechnen so: Gesamtgewinn geteilt durch Jahre – fertig. Das Problem dabei ist offensichtlich, wenn man genauer hinschaut.

Stell dir vor, du investierst:

  • 1.000 € im Jahr 1
  • 10.000 € im Jahr 9

Beide Beträge sind am Ende gleich stark gestiegen. Eine einfache Durchschnittsrechnung tut so, als wären beide gleich lange investiert gewesen. In Wirklichkeit hatte der große Betrag aber kaum Zeit zu wirken.

Das Ergebnis fühlt sich gut an, ist aber rechnerisch falsch. Genau hier setzt die gewichtete Betrachtung an.

Die Grundidee hinter der Berechnung

Die Logik ist simpel, auch wenn die Rechnung etwas technischer wirkt:

  • Jede Einzahlung bekommt ein Gewicht
  • Dieses Gewicht hängt von der Zeit im Investment ab
  • Je länger das Geld investiert war, desto stärker beeinflusst es die Rendite

Mathematisch nähert man sich dem Ergebnis, indem man die Zahlungsströme über die Zeit betrachtet und die Rendite so bestimmt, dass der Endwert rechnerisch aufgeht.

Keine Sorge: Du musst dafür kein Finanzmathematiker sein.

Zwei wichtige Renditebegriffe, die du kennen solltest

Bevor wir rechnen, lohnt eine kurze Einordnung:

Zeitgewichtete Rendite

Diese Rendite misst die Wertentwicklung unabhängig von Ein- und Auszahlungen. Sie eignet sich gut, um Fondsmanager oder Strategien zu vergleichen, blendet aber dein persönliches Investitionsverhalten aus.

Geldgewichtete Rendite

Hier fließen Ein- und Auszahlungen mit ihrem Zeitpunkt ein. Genau das ist das, was viele Anleger eigentlich wissen wollen. Die gewichtete Durchschnittsrendite ist praktisch eine verständliche Annäherung an dieses Prinzip.

Wenn du wissen willst, wie dein eigenes Geld gearbeitet hat, bist du hier richtig.

Schritt für Schritt: Gewichtete Durchschnittsrendite berechnen

Jetzt wird es konkret.

Schritt 1: Alle Zahlungsströme erfassen

Notiere dir:

  • jede Einzahlung
  • jede Auszahlung
  • den jeweiligen Zeitpunkt
  • den aktuellen oder finalen Depotwert

Ohne vollständige Daten wird jede Renditeberechnung ungenau.

Schritt 2: Zeiträume festlegen

Für jede Einzahlung bestimmst du, wie lange sie investiert war. Das kann in Jahren, Monaten oder Tagen erfolgen – Hauptsache, du bleibst konsistent.

Beispiel:

  • Einzahlung A: 3 Jahre investiert
  • Einzahlung B: 1 Jahr investiert

Schritt 3: Gewichtung berechnen

Jetzt wird jede Einzahlung mit ihrer Investitionsdauer „gewichtet“.

Vereinfacht:

  • Einzahlung × Investitionsdauer = gewichteter Beitrag

Schritt 4: Durchschnittsrendite ableiten

Aus der Summe der gewichteten Beiträge und dem Gesamtergebnis lässt sich nun eine durchschnittliche Rendite berechnen, die der tatsächlichen Entwicklung sehr nahekommt.

In der Praxis erledigen Excel, Finanzrechner oder Depottools diesen Schritt für dich – wichtig ist, dass du verstehst, wassie tun.

Rechenbeispiel aus dem Alltag

Ein typisches Szenario:

  • 5.000 € Einzahlung vor 5 Jahren
  • 5.000 € Einzahlung vor 1 Jahr
  • Aktueller Depotwert: 12.000 €

Der erste Betrag hatte deutlich mehr Zeit zu wachsen. Die gewichtete Rendite fällt daher niedriger aus, als wenn man einfach „2.000 € Gewinn auf 10.000 €“ rechnet.

Das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick ernüchternd, ist aber ehrlich – und genau das ist der Punkt.

Wann ist diese Methode besonders sinnvoll?

Die gewichtete Durchschnittsrendite lohnt sich vor allem dann, wenn:

  • du regelmäßig investierst
  • du ungleich hohe Beträge einzahlst
  • du dein persönliches Ergebnis bewerten willst
  • du verschiedene Anlageformen vergleichst

Sie ist weniger relevant, wenn:

  • nur eine Einmalanlage existiert
  • keine Zwischenbewegungen stattgefunden haben

Typische Fehler, die viele machen

Ein häufiger Fehler ist, Einzahlungen gleich zu behandeln, egal wann sie erfolgt sind. Ein weiterer ist, Steuern, Gebühren oder zwischenzeitliche Entnahmen zu ignorieren.

Auch beliebt: Renditen zu vergleichen, die auf völlig unterschiedlichen Methoden basieren. Das ist ungefähr so sinnvoll wie Äpfel mit Fahrrädern zu vergleichen 😉

Excel, Rechner oder per Hand?

Per Hand zu rechnen hilft beim Verständnis, ist aber mühsam. In der Praxis empfehle ich:

  • Excel mit Zahlungsstromtabelle
  • Finanzrechner mit IRR-Funktion
  • Depot-Tools, die Cashflows berücksichtigen

Wichtig ist nicht das Werkzeug, sondern das Verständnis für das Ergebnis.

Wie aussagekräftig ist die gewichtete Durchschnittsrendite wirklich?

Sehr aussagekräftig – für dich persönlich. Sie sagt nichts über Marktbedingungen oder Managementqualität aus, aber sehr viel darüber, wie gut dein Geld gearbeitet hat.

Und genau das wollen die meisten Anleger wissen.

Häufige Fragen rund um Renditeberechnungen

Ist die gewichtete Durchschnittsrendite dasselbe wie der interne Zinsfuß?

Nein, aber sie ist eng verwandt. Der interne Zinsfuß (IRR) ist mathematisch exakter, die gewichtete Durchschnittsrendite dafür leichter zu verstehen und oft ausreichend genau.

Kann ich damit verschiedene Depots vergleichen?

Ja, solange du dieselbe Methode verwendest. Unterschiedliche Renditekennzahlen sollten nicht direkt gegenübergestellt werden.

Berücksichtigt diese Rendite auch Verluste?

Natürlich. Verluste fließen genauso ein wie Gewinne. Das Ergebnis kann daher auch negativ sein.

Sind Steuern automatisch enthalten?

Nur wenn du sie in die Zahlungsströme einbaust. Brutto- und Nettorendite können stark voneinander abweichen.

Warum wirkt die Rendite manchmal niedriger als erwartet?

Weil spätere Einzahlungen weniger Zeit hatten zu wachsen. Das fühlt sich unfair an, ist aber rechnerisch korrekt.

Ist diese Methode für Sparpläne geeignet?

Ja, gerade dort ist sie besonders sinnvoll, da regelmäßige Einzahlungen sonst kaum realistisch bewertet werden können.

Wie oft sollte man die Rendite neu berechnen?

Einmal im Jahr reicht meist aus. Häufigeres Rechnen führt eher zu Verunsicherung als zu besseren Entscheidungen.

Kann ich damit Markt-Timing bewerten?

Indirekt ja. Gute oder schlechte Einstiegszeitpunkte spiegeln sich im Ergebnis wider – manchmal gnadenlos ehrlich.

Mein persönlicher Blick darauf

Viele Anleger sind zunächst enttäuscht, wenn sie ihre gewichtete Rendite sehen. Das liegt weniger an der Performance als an falschen Erwartungen. Wer regelmäßig investiert, kauft eben auch in teuren Phasen – und genau das ist langfristig sogar sinnvoll.

Die gewichtete Betrachtung hilft, emotionalen Ballast loszuwerden und fundierte Entscheidungen zu treffen. Sie zeigt nicht, was hätte sein können, sondern was war.

Und das ist am Ende deutlich wertvoller.

Wenn du deine eigene Rendite noch nie so betrachtet hast: Rechne sie einmal aus. Das Ergebnis ist oft überraschend – und fast immer lehrreich.

Checkliste
  • monatliche Sparpläne
  • unregelmäßige Nachkäufe
  • Teilauszahlungen oder Umschichtungen
  • mehrere Startzeitpunkte eines Investments

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Guido Marquardt

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Melanie Weissberger

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Johannes Breitenreiter

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Sina Eschweiler

Sina Eschweiler

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